Weihnachten 1944
Es war eine schwere Zeit. Jeden Morgen Fliegeralarm. Wir freuten uns trotzdem auf den hl. Abend. Mama zündete schon am Morgen den kleinen Füllofen in der guten Stube an. Da wurde ja nur an Sonntagen warm gemacht. Mama schmückte den Christbaum, den wir ja vorher nicht sehen durften. Endlich war es dann so weit und der Baum wurde mit ein paar Wachskerzen angezündet. Wir sangen „Stille Nacht“ und Mama weinte dabei. Von unserem Papa hatten wir schon etliche Wochen kein Lebenszeichen mehr. Wir wussten nicht, ob er noch lebte. Wir beteten für Ihn und für alle Soldaten,dieirgendwo bei dieser Kälte auf dem Rückzug waren. Meine Schwester und ich hatten vom Christkind ein schönes Geschenk bekommen. Mama hatte heimlich im Bruchsaler Gefängnis ein hölzernes Puppenbettchen machen lassen. Es war so groß, es hätte ein Baby reingepasst. Mama hatte es schön zurechtgemacht und alle unsere Puppen reingesetzt. Das war ein tolles Geschenk, von dem wir uns am 3. Februar wieder trennen mussten. Drei Bündel Brandbomben zündeten beim Bombenangriff unser Haus an und Papa war nicht da, um uns zu trösten.
Wir drei (Anm. Gerlinde, ihre Mutter und ihre Schwester) kamen dann bei unserer Großmutter unter. Meine Tante, die„Näder Anna“ bei ihrer Schwester Helena. Doch nächsten Tag kamen auch „Sägherman“ seine Schwiegereltern von Büchenau, die beim Bombenangriff alles verloren hatten. So waren wir bei Tag in Eugenias kleinem Häuschen und zum Schlafen bei Großmutter.
Endlich nach Kriegsende kam unser Papa wohl behalten wieder heim und er meinte: „Gott sei Dank, ihr lebt und das Haus bauen wir wieder auf. Mit viel Mühe und Arbeit konnten wir zwei Jahre später wieder einziehen. Übrigens, unsern Christbaum haben wir beim „Reger Bastel“ im Hof wieder gefunden.
Gerlinde Baumgärtner
August 2025