Historisches aus Neuthard: 

Die gefiederte Gänseschar von 1952

Wo die Pfinz fließt, spazieren Gänse. Und wo ein unumzäunter Garten ist, da ist der Ärger programmiert. Ein Blick zurück zeigt: Manchmal war der Frieden brüchiger als die Geduld eines Gärtners.
Neuthard im beschaulichen Jahr 1952. Die Idylle an der Pfinz war perfekt, wäre da nicht der tägliche Ausflug der Nachbars-Enten und -Gänse gewesen.
Man hätte fast meinen können, die Tiere wollten einer alten dörflichen Tradition alle Ehre machen. Schließlich besaß Neuthard ein historisches Wappen, auf dem stolz eine Ente prangte. Dieses Wappentier erinnerte an das frühere Neutharder Dorfbächlein. Für dieses galt einst die strenge Regel: Es musste immer so viel Wasser fließen, dass Enten darin schwimmen konnten.
Doch während die historische Wappen-Ente stets brav das nötige Nass im Bach einforderte, dachten die lebendigen Federviecher von 1952 gar nicht an Zurückhaltung. Für sie war der Garten an der Pfinz kein Privatgrundstück, sondern eine einladende Autobahn mit Selbstbedienungs-Buffet. Der Gärtner sah seine Radieschen und Salatköpfe schwinden, während die Gänse schnatternd das „gute Leben“ genossen.
Der Gartenbesitzer, ein Mann der klaren Worte, warnte seinen Nachbarn.
Mehrfach. Er drohte sogar mit der „letzten Konsequenz“ für die schnatternde Kompanie. Doch der Federvieh-Besitzer ignorierte die Drohungen und vertraute blind darauf, dass sein Geflügel im Heimatdorf der Wappen-Ente quasi diplomatische Immunität genoss.
Jedoch war die Zeit der feinen juristischen Ratschläge noch fern. Der Gärtner griff zu einer Handvoll vergifteter Körner, denen das gierige Federvieh nicht widerstehen konnte. Plötzlich war es totenstill an der Pfinz. Die Gänse hatten sich „überfressen“ – im wahrsten Sinne des Wortes.


Von der munteren Schar blieb nur die Ente auf dem Rathauswappen übrig, die das dörfliche Drama unbeschadet überstand.
Gänse sind stur, Gärtner auch. Mögen alle Gärten im heutigen Karlsdorf-Neuthard sichere Zäune haben.
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