Das Pfingstfest ist in Neuthard seit Jahrhunderten fest verwurzelt. Ein Blick in die Dorfgeschichte offenbart eine faszinierende Mischung aus kirchlicher Tradition und uralten Naturbeschwörungen.


Ein markantes Datum der Ortsgeschichte ist das Jahr 1732. Bis dahin trafen sich am Pfingstmontag Pfarrer, Lehrer, Kirchenpfleger und Gerichtsleute im Wirtshaus zur „Taufzehr“. Die Kosten für Speis und Trank übernahm „der Heilige“, also die Kirchenkasse. Doch Pfarrer Noldt setzte dieser Tradition ein jähes Ende: Er stellte die Zahlungen ein und beendete damit das gesellige Schlemmen auf Gemeindekosten – ein früher Beleg für eine strengere Haushaltsführung in der Pfarrei.


Der Pfingstnickel: Ein grüner Geist aus dem Neutharder Wald


Während die Taufzehr verschwand, überdauerte ein weitaus älterer Brauch die Jahrhunderte: der „Pfingstnickel“. Bis in die Nachkriegszeit wurde am Pfingstmontag nach heidnischem Vorbild ein junger Bursche mit grünen Zweigen so stark verkleidet, dass er als Sinnbild der erwachenden Natur erscheint. Geschmückt wurde er – fast wie ein Gefangener – durchs „Hostergässle hindurch durch Neuthard hineingeführt.


Die spirituelle Ebene: Die Erneuerung durch den Geist


Theologisch verbindet sich der weltliche Brauch mit der „Pfingstlichen Taufe“. Während der Pfingstnickel das Erblühen der Natur feiert, steht die christliche Pfingstbotschaft für die innere Erneuerung. Nach biblischer Lehre sandte Christus den Heiligen Geist als Medium, um die Gläubigen zu erfüllen – eine „Taufe im Geist“, die als Kraftquelle für das ganze Jahr verstanden wird.


Ob als grüner Naturgeist oder als tiefes religiöses Erlebnis – Pfingsten bleibt ein Fest der lebendigen Erneuerung, das die Grenze zwischen alter Tradition und gelebtem Glauben verschwimmen lässt.